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18
02
2016

Noch mehr Gründe warum man EMS-Training meiden sollte

Mit diesem Artikel knüpfe ich an “Die Wahrheit über EMS-Training und was wirklich hilft” an.

Warum wird EMS-Training so erfolgreich vermarktet?

Es ist ganz einfach: EMS-Training bzw. die Versprechungen, die gemacht werden, passen sehr gut in die heutige Zeit. Schnelle Erfolge mit wenig Aufwand locken viele Menschen hinterm Ofen vor. Das war schon immer so und komischerweise klappt es auch immer wieder.

Vor Kurzem sah ich einen Werbeaufsteller für ein EMS-Studio in Potsdam, auf dem stand: “Zeit sparen; 20 Minuten pro Woche genügen, um deine Ziele zu erreichen”. Selbstverständlich ist das verführerisch, kann aber nicht funktionieren, außer das Ziel ist lächerlich einfach zu erreichen.

Zu den Fakten:

EMS-Training verursacht starken und tiefgehenden Muskelkater. Das stimmt und ist wahrscheinlich der Grund, weshalb die meisten Menschen denken, dass EMS-Training effektiv zum Erreichen erstrebenswerter körperlicher Ziele eingesetzt werden kann.

Nicht nur das EMS-Steuergerät, sondern auch unser Gehirn betätigt die Muskeln mittels Strom, kann aber nicht immer alle Muskel ansteuern; aber dazu später mehr.
Das EMS-Gerät überträgt einen elektrischen Impuls, sodass die Muskeln kontrahieren. Ist der Strom stark genug, kontrahieren viele Muskelfasern, auch jene, die man normalerweise willentlich nicht in die Bewegung einbeziehen kann (weil man nicht trainiert genug ist!!!). Es wird künstlich eine gute intramuskuläre Koordination geschaffen. Und jetzt passiert das, was eben passiert, wenn ein Muskel überlastet wird – er wird verletzt. Der Heilungsprozess tut weh und das nennt man dann Muskelkater.

Das Dumme an dem Ganzen ist nur, dass das Gehirn nicht an der Bewegung schuld war, sondern ein Fremdgehirn (das EMS-Gerät). Vielleicht wird der Muskel ein bisschen stärker und dicker, aber das hat keinen Nutzen, denn du kannst willentlich noch immer nicht diese Muskelfasern benutzen. Du weißt nicht, wie das geht, dein Gehirn hat es durch das EMS-Training nicht gelernt.

Kinetische Ketten

So bezeichnet man Muskeln, die an einer Bewegung beteiligt sind und in einer genauen zeitlichen Abfolge Arbeit leisten müssen, um die gewünschte Bewegung auszuführen.
Vielleicht ist der Begriff nicht jedem geläufig, aber eine kinetische Kette ist für jede Bewegung verantwortlich. Sehr häufig sind kinetische Ketten unterbrochen; dann funktioniert eine Bewegung nicht mehr einwandfrei. Unterbrochen heißt, dass ein oder mehrere Muskeln innerhalb der regulären Kette von Gehirn nicht oder nur teilweise angesteuert bzw. kontrahiert werden können. Andere Muskeln übernehmen dann Aufgaben, für die sie nicht gemacht sind.

EMS-Training schließt kinetische Ketten. Muskeln, die der eigene Kopf nicht mehr ansteuern kann, werden jetzt kontrahiert. Das hört sich gut an, ist es aber nicht, da das Gehirn die Kontraktion bzw. das Timing (wann innerhalb einer Bewegung ein Muskel angespannt werden muss) nicht reproduzieren kann. Das Gehirn lernt die Bewegung also nicht.

Training ist etwas Ganzheitliches (Gehirn, Atmung, Hormone, Herz-Kreislauf, Mentalität, Ernährung usw.), es besteht aus vielen Komponenten, die ineinander greifen. Der neurologische Aspekt ist sehr wichtig dabei. Im Kopf werden Bewegungen ausgelöst, neue Bewegungen abgespeichert, dort findet das Timing statt und auch der Fortschritt wird von dort gesteuert.

EMS wirkt von außen ein und soll dir Arbeit abnehmen.
Ich musste bei diesem Satz jetzt ein bisschen länger überlegen, weil ich echt nicht weiß, was EMS überhaupt soll. Naja…weiter:

Wer sich auf EMS-Training einlässt, fällt einmal mehr auf eine der verlockenden Fallen der modernen Gesellschaft/Industrie herein, die viel für wenig Aufwand verspricht.

Wer seinen Körper getrennt vom Rest sieht und mal schnell in der Mittagspause seine Muskeln zucken lassen will, der ist bei EMS gut aufgehoben.

Wer aber wirklich an sich selbst interessiert ist, sich weiter entwickeln will, sich selber erfahren will, Grenzen testen will, der kann nur ehrliche körperliche Arbeit leisten.

 

 

Autor: Sten Schulze

Kommentare
2
Vorname

“Vielleicht wird der Muskel ein bisschen stärker und dicker, aber das hat keinen Nutzen, denn du kannst willentlich noch immer nicht diese Muskelfasern benutzen.”

Um “diese” geht es ja auch nicht. Es geht um die “Hauptmuskeln”, die ja auch trainiert und im Alltag genutzt werden. Wenn was überflüssig mittrainiert wird und danach nicht genutzt wird – wen juckt’s.

Sten

Was sind “Hauptmuskeln”? Ich tippe du redest von den eindeutig sichtbaren Muskeln…?
Und genau durch diese Auffassung trainieren die meisten Menschen sehr ineffizient und ineffektiv, oft sogar im Bereich von potentiellen Verletzungen.
Inzwischen trainieren einige ehemalige langjährige “EMS-Sportler” bei mir und sind zum Teil erschüttert was ihren Leistungsstand in sämtlichen Bereichen (Kraft, Kraftausdauer, Mobilität, Stabilität usw.) angeht.

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